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Anica Rimmele nimmt mit ihrem Mädelsteam an der J/70 WM von 12. bis 16. September in Porto Cervo (Sardinien) teil. Einen Erlebnisbericht, der laufend aktualisiert wird, finden Sie hier.


Am Freitagmittag, den 08. September war es endlich soweit, unser Mädelsteam, bestehend aus Lina und Rosanna Schnetz, Anne Winkelhausen (Langenargen), Carla Rau (Konstanz) und mir Anica Rimmele, war bereit für die WM 2017 auf Sardinien! Wir trafen uns um 14.00 Uhr in Langenargen um dem Boot noch den letzten Schliff für die Fahrt zu geben. Und dann ging es los. Erst mit dem Gespann von Langenargen nach Genua und von Genua dann mit der Fähre nach Olbia.

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Die elf Stunden auf der Fähre verbrachten wir damit den verlorenen Schlaf der letzten Nacht wieder auf zu holen und gemütlich auf dem Sonnendeck Freundschaften mit anderen J/70 Seglern aus England und der Schweiz zu schließen. Gegen 20.00 Uhr am Samstag erreichten wir Sardinien. Auf der Fähre hattet die Engländer angeboten uns beim Mast stellen etwas unter die Arme zu greifen, weswegen wir noch am Abend den Mast stellten. Mit unserer Ferienwohnung hätten wir es kaum besser treffen können; direkt am Hafen zwischen Vermessungareal und Race Office!

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Sonntag früh ging unser Wecker um 6.30 Uhr runter. Heute stand Vermessung des Bootes auf dem Plan. Das bedeutet Boot ausräumen, alle Latten aus den Segeln sowie alle sicherheitrelavanten Teile so bereitlegen, dass sie durchgecheckt, gewogen und als gut abgestempelt werden konnten.

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Um 11.00 Uhr waren wir nach längerem hin und her mit der Vermessung durch. Danach wasserten wir ein und bauten das Boot fertig auf. Da selbst im Hafen der Wind durch die Wanten pfiff entschlossen wir uns erst morgen bei dem Practice Race das Revier auszutesten. Nun hoffen wir natürlich für morgen auf weniger Wind doch bis jetzt sieht die Windvorhersage, mit 35-40 kn nicht sonderlich gut aus. Aber alles halb so schlimm, die Motivation ist riesig!!!


Für Montag, 11.09. war ursprünglich das Practice Race vorgesehen. Doch durch die gegebenen Windbedingung des Mistral, mit an die 60 kn in Böen, war das Auslaufen für alle Teilnehmer untersagt. Wir verbrachten die Zeit damit unseren Motor wieder funktionstüchtig zu machen und liefen am Nachmittag, vorbei an den super Yachten, vor an die Küste um ein Blick auf das schäumend weiße Meer zu werfen.

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Abends ging es dann zu der Opening Cermony in den Yacht Club Costa Smeralda. Zunächst gab es ein ca. 45-minütiges Skippersbreefing in dem wir über Wind, Welle und Sicherheitsvorkehrungen in Kenntnis gesetzt wurden. Danach ging es hoch auf die Clubterrasse zu Antipasti und Cocktails; abgesehen von den Köstlichkeiten bot die Terrasse einen grandiosen Ausblick auf den Hafen und das Meer. Wir lernten im Laufe des Abends Unmengen an Seglern aus verschiedensten Nationen kennen. Unter anderem auch das andere Mädchenteam: Fünf Mädels aus den Niederlanden die allerdings knapp 100 kg mehr wiegen wie wir.

Alles in allem war es auch ohne Segeln ein genialer Tag!


1. Tag WM - Dienstag, 12.09.

Über Nacht war der Wind etwas weniger geworden, doch nach wie vor noch weit über den 25 kn Segellimit bei dem wir segeln würden. Um 9.00 Uhr trafen wir uns am Raceoffice zum Weatherbriefing und bekamen dort von einem Meteorologen Einblicke in den Wind und Strömungsverlauf des Tages. Gegen Mittag bestand die Möglichkeit, dass der Wind weit genug abflauen würde - sofern wir Glück hätten. Doch vorerst wurde AP gesetzt. Nächste Information um 11.00 Uhr, bis dahin hatten wir ausreichend Zeit noch unsere Wanten zu kürzen und unser Achterstag nochmal zu übersetzten. Am Montag hatte es dafür zu viel Wind gehabt und -unser Glück- war nochmal Startverschiebung. Um 11.00 Uhr kam dann die Information, dass auf dem Kurs im Moment konstant 45 kn vorherrschen. Nächste Ansage per Funk um 14.00 Uhr.

Nach all der Arbeit am Morgen war nun endlich Zeit für einen Cappuccino! Mit der Zeit hatten wir das Gefühl der Wind würde nachlassen und waren uns sicher, dass um 14.00 Uhr AP runtergehen würde. Doch als wir gespannt dem Funkspruch lauschten wünschte uns der Wettfahrtleiter lediglich einen schönen Mittag und viel Spaß am Strand.

Zum ersten Mal seid dem wir in Porto Cervo waren, hatten wir nun die Möglichkeit unsere Segelshorts gegen Sommerkleider einzutauschen. Und so machten wir uns zusammen mit den Teams aus München, Hamburg und Bregenz auf den Weg zum Strand. Abends war am Club wieder Party für Segler mit Freibier und Häppchen. Es ist wirklich erstaunlich wie viele Segler wir hier in den letzten Tagen kennen gelernt haben und wie interessant es auch ist zu hören von welchen Bootsklassen die unterschiedlichen Segler auf die J/70 kamen.

Für morgen sieht der Wetterbericht so aus, als ob die Möglichkeit besteht, dass wir auslaufen können. Hoffentlich stimmen die Vorhersagen - wir wollen endlich segeln!!!!


2. Tag WM - Mittwoch, 13.09.

Der Wind hatte leider über Nacht wieder aufgefrischt. Beim Weatherbriefing um 9.00 Uhr wurden die Wetterkarten des heutigen Tages gezeigt, die leider nicht sonderlich viel Hoffnung auf Segeln aufkommen ließen. Jedoch war heute wirklich spürbar, dass nach drei Tagen ohne Segeln die Ungeduld in den Segeln und im Regattaleiter steckte. Fast immer war eine Traube von Seglern um die Windmessstation gescharrt in der Hoffnung, dass der Wind bald nachlässt.

Um 10.00 Uhr ging dann aber wieder AP hoch. Zuerst bis 11.00 Uhr, dann bis 12.00 Uhr - stündliche Ansagen bis dann um 16.00 Uhr der Wettfahrtleiter schweren Herzen über Funk mitteilte, das nun AP über A - heute keine Wettfahrt mehr gesetzt würde.

Da damit der „Segeltag“ frühzeitig beendet war wurde auch das Freibier und die Sailor-Snacks vorgezogen, so das sich um 17.00 Uhr wieder alle Segler am Clubhaus einfanden.

Für morgen sehen die Wettervorhersagen ein gutes Stück besser aus,die Hoffnung auf unter 25 kn ist gar nicht mal so unrealistisch. Deshalb heißt es nun früh ins Bett - Leistungsschlaf!


3. Tag WM - Donnerstag, 14.09.

Die Nacht war fast seltsam. Es war leise, zum ersten Mal klang es nicht so als ob gleich das Haus auseinanderfallen würde. Die Fahnen im Hafen wehten zwar noch stark aber abgesehen davon war es eben nur Wind und nicht Sturm.

Voll Euphorie auf den Tag frühstückten wir, schmierten Brötchen, packten unser Zeug und standen dann überpünktlich an unserem Boot. Um 9.00 Uhr war wie üblich das Weatherbriefing. Selbst der Meteorologe schien erleichtert darüber, dass heute gesegelt werden konnte. Die Windvorhersage war gut 20 kn und gegen Mittag auffrischend.

Um 10.00 Uhr liefen wir dann aus. Glücklicherweise hatten wir nette Nachbarn, unser Motor hatte wieder einmal den Geist aufgegeben und so schleppten sie uns raus. Bei 20 kn, strahlendem Sonnenschein und türkisem Wasser machten wir uns bereit für den ersten Start. Heute waren wir in der Roten Gruppe, somit erster Start, Outerloop gegen Blau.

Beim ersten Start hatten wir die gegenstehende Welle ein wenig unterschätzt und erst nach etwa 7 Sekunden die Startlinie überquert. Doch da wir die richtige Seite für unseren Start gewählt hatten, lief die erste Kreuz doch relativ gut, trotz unserem geringen Gewicht auf der Kante konnten wir gut mit dem Feld mit fahren. Vorwind war mega - mit Genaker die Wellen runter!

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Im zweiten und dritten Lauf hatte der Wind nochmals aufgefrischt. Jetzt mussten wir gut kämpfen um gegen die, nicht der Windrichtung entsprechenden, Wellen anzukämpfen. Backbord Bug lief gut - Steuerbord war grausam. Wir fielen ständig in Wellentäler oder fuhren extremen Zicksack um die Wellen auszufahren.

Doch trotz allem sind wir wirklich stolz auf uns. Wir waren nicht weit hinter den Profis und hatten keine größeren Fuck-Ups. Nach dem heutigen Tag werden wir morgen im Silverfleet starten. Deshalb geht’s jetzt ins Bett damit wir morgen fit sind!


4. Tag WM - Freitag, 15.09.

Nach den morgendlichen Briefings ging es direkt auf's Wasser. Der Wind war ähnlich wie am Donnerstag zu beginn. Wir segelten einen Lauf bei super Bedingungen und konnten uns da auch relativ gut behaupten. Leider wurde uns auf dem Zieldownwind von einem Ausflugssegler massiv die Vorfahrt genommen, wodurch wir knapp 15 Plätze verloren. Das war ärgerlich, aber trotzdem waren wir mehr als zufrieden, da wir uns wirklich lange im Mittelfeld gehalten haben und gut mitgefahren sind. Gefühlt haben wir hier bei jeder Wettfahrt dazu gelernt. Downwind schaffen wir es mittlerweile auf jeder Welle ins Gleiten zu kommen und die Wellen auf der Kreuz stellen uns auch nicht mehr hin.

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Im zweiten Lauf schwächte der Wind ein wenig ab, zuerst dachten wir, ganz gut für uns, aber nach und nach wurde es so wenig, dass es Am-Wind kaum mehr durch die Welle ging. Kurz vor der zweiten Luvbahnmarke fuhren die Boote dann nicht mehr und drehten sich nur noch wahllos zu den Wellen - der Wind war komplett weg und übrig blieben nur die Wellen. Nach etwa 10 Minuten des Trauerspiels entschloss sich unserer Wettfahrtleiter die karierte Flagge zu ziehen und die Wettfahrt abzubrechen. Etwa eine viertel Stunde lang trieben wir auf dem Kurs umher, aber da sich kein neuer Seewind durchzusetzen schien wurde AP über A gesetzt.

Da um 19.00 Uhr die Crewparty beginnt, gab es heute ausnahmsweise kein Freibier nach dem Segeln. Wir bauten somit in Ruhe unser Boot ab und gingen heim zum Duschen. Etwa viertel vor sieben machten wir uns auf den Weg vor zum Club. Auf dem Weg pickten wir noch ein paar Segler im Nelsons Pub auf und dann ging’s los zur Party. Es war eine Bühne für einen DJ aufgebaut worden, an allen Seiten gab es Bars mit Bier, Wein oder Cocktails, mittig standen lange Tische mit allen möglichen Leckereien. Die Stimmung war überragend! Alle tanzten, tranken oder redeten über den bisherigen Stand der Weltmeisterschaft.


5. Tag WM - Samstag, 16.09.

Für heute war alles um eine Stunde vorgelegt worden - nicht nur, dass uns der Abend noch ein wenig in den Knochen steckte, nein, auch der Wind hatte über Nacht wieder zugenommen und pfiff jetzt durch den Hafen. Dennoch, wir waren alle motiviert heute nochmal unser Bestes zu geben!

Bereits beim rausfahren zur Regatta machten schon einige Sonnenschüsse oder flogen förmlich an uns vorbei. Wir setzten draußen dann auch nochmal den Genaker und fuhren ein paar Halsen - je nachdem wie gut wir die Welle erwischten, schafften wir es sogar während der Halse nicht aus dem Gleiten zu kommen. Und zu unserem Stolz - bis zu diesem Zeitpunkt - hatten wir noch keinen einzigen Sonnenschuss gefahren, seitdem wir hier in Porto Cervo waren.

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Die erste Wettfahrt verlief gut und trotz des starken Windes konnten wir uns relativ gut im Feld halten. Auf den Am-Wind Kursen verloren wir ein bisschen, was wir aber Vorwind wieder aufholten. Bis zur zweiten Wettfahrt hatte der Wind so aufgefrischt, dass auf der Kreuz alle Großsegel schlugen. Obwohl auch wir nur noch mit der Fock segelten, hatten wir echt hart zu kämpfen. So schlimm aber die Kreuz war, umso genialer war dann der Genakerkurs! Wir rauschten über die Wellen und holten ein Boot nach dem anderen. Leider kamen uns am Gate unten dann zwei Boote so ungünstig entgegen, dass wir doch zu hoch ausweichen mussten und einen Sonnenschuss fuhren. Aber die Bilanz war okay - ein Sonnenschuss in sechs Rennen. Später erfuhren wir von den Jungs aus dem WYC, dass es in dem Lauf bis zu 40 kn Wind hatte.

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Leider mussten wir zurück in den Hafen kreuzen was, da der Kurs ziemlich weit draußen lag, sehr mühselig war. Glücklicherweise hatten wir auf der Kranliste einen Platz ganz oben, weshalb wir direkt durchfahren und unser Bötchen aus dem Wasser kranen konnten. Nach zwei Stunden war dann der Mast gelegt, alle Segel, Rumpf und Beschläge entsalzen und alles Nasse zum trocknen aufgehängt.

Jetzt mussten wir nur noch uns entsalzen, hübsch anziehen und zur Siegerehrung gehen. Sieger der Weltmeisterschaft 2017 wurde Peter S. Duncan aus den USA, gefolgt von seinem Landsmann Brian Keane. Beste Steuerfrau war Claudia Rossi auf Platz vier (vor ihrem Vater Alberto Rossi) mit ihrem Boot "Petite Terrible".

Wir belegten im Silverfleet Platz 72 - vielleicht nicht überragend, aber gegeben den Bedingungen sind wir wirklich Stolz auf uns. Irgendwie war es am Ende doch ein wenig enttäuschend, dass jetzt, nach gerade mal drei Tagen wirklich segeln, das Spektakel schon vorbei war und man die meisten frühestens nächstes Jahr bei der J/70 Europameisterschaft in Portugal wieder treffen würde. Das Event war unglaublich gut organisiert, super gute Wettfahrtleitung und natürlich ein traumhaftes Segelrevier - uns hätte es nicht besser treffen können!!!


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